Karriere Journal

21.3.2010 Ratgeber / Ratgeber Job / Praxis-Tipps

Messen, berechnen und analysieren

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Spannend, sehr abwechselungsreich, hoch technisiert und sogar krisenfest - als "Wetterfrosch" arbeiten. [21.11.2008]







Den besten Eindruck gewinnen Interessenten für den spannenden und vielseitigen Beruf des Meteorologen, wenn sie einem "erfahrenen Hasen" bei seiner Arbeit über die Schulter schauen. Sie werden dann erleben wie die moderne Wettervorhersage es heute ermöglicht, relevante Wetterdaten zusammenzustellen, um das Wettergeschehen auf einen Blick am Bildschirm zu erfassen. Dafür wurde ein dichtes nationales Wetterstationsnetz aufgebaut. Auf so genannten Messfeldern am Boden erfassen die installierten Geräte Lufttemperatur in unterschiedlichen Höhen, Erdbodentemperatur, Luftfeuchte, Niederschlagsdauer und - menge, und diverse lufthygienische Parameter.

Messgeräte vom Arbeitsplatz weit entfernt

Für kurze Vorhersagen wird das Wetterradar benötigt. Es informiert u.a. darüber, wo es gerade regnet, hagelt oder schneit und wie stark. Eingesetzt werden auch Wetterballone, die in der Lage sind, dreidimensionale Schnittbilder der Atmosphäre zu liefern. Automatische Wetterbojen auf hoher See informieren beispielsweise über den dort herrschenden Bodenluftdruck. Die Messungen sind sehr viel genauer als die der Fernmessungen von Wettersatelliten. An den meisten Verkehrsflughäfen arbeiten Flugmeteorologen in Flugwetterwarten, um das Wetter nahe den Start- und Landebahnen genau zu erfassen.

Wettersatelliten funken die Ergebnisse ihrer Beobachtungen aus geostationären Umlaufbahnen, die in fast 36.000 Kilometer von der Erde entfernt kreisen und arbeiten als polarumlaufende Satelliten. Diese erfassen das Wetter global und somit auch die Gebiete der Erde, wo es bisher keine Bodenstationen gibt. Satellitenbilder empfängt und bearbeitet die pan-europäische Organisation Eumetsat in Darmstadt (Bundesrepublik Deutschland), bevor diese via Satellit weltweit an alle Nutzer, auch in Österreich, versendet werden. Alle diese Systeme sind vom Arbeitsplatz des Meteorologen überwiegend weit entfernt.

Arbeit fast ausschließlich am Bildschirm

"Sie arbeiten zu 99 Prozent am Computer. Wetterbeobachter in früherem Sinn werden kaum noch gebraucht, da automatisiert gemessen wird", erläutert Andreas Jäger von der ZAMG. "Und", so ergänzt Jäger, "das Besondere ist der nie aufhörende Lernprozess. Dadurch wird es an keinen Tag langweilig." Österreichs Zentralrechner, der immerhin mit einer Geschwindigkeit von 500 Gigaflops (so genannte Fließkommaoperationen pro Sekunde) rechnet, steht auf der Hohen Warte in Wien.

Wettervorhersage und - beobachtung bedeutet messen, berechnen und interpretieren an 365 Tagen im Jahr und rund um die Uhr. So arbeiten Meteorologen überwiegend im Wechselschichtdienst. Sie sollten mit großer Sorgfalt arbeiten können, leistungsbereit und hoch motiviert sein und mit Informationstechnik umgehen können. "Techniker sind gefragt", bestätigt Jäger. Wer den Meteorologenberuf ergreifen möchte, sollte in den mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern sehr gute Leistungen vorweisen und sich für Wetter, Klima und die Vorgänge in der Natur insgesamt interessieren. "Von großem Vorteil", unterstreicht Andreas Jäger, "ist auch ein praktischer Zugang" und meint ehemalige und aktive Freiluftsportler. "Segler, Surfer und Kletterer haben zum Beispiel viel praktische Erfahrung mit dem Wetter und sind neugierig."

Zum "Wetterberater" ohne Studium

Für die Wettervorhersage kommen nur Meteorologen mit abgeschlossen Studium in Frage. Künftige Meteorologen werden an der Universität in Wien und am Institut für Meteorologie und Geophysik der Universität Innsbruck ausgebildet. Die Wiener Uni bietet ein sechssemestriges Bachelorstudium der Meteorologie an. Es gliedert sich in eine Studieneingangsphase, die Basiswissen vermittelt und in eine Reihe von weiterführenden Pflichtmodulen. Diesem Studium kann bei erfolgreichem Abschluss ein Masterstudium über vier Semester folgen, welches die bisherige meteorologische Ausbildung vertieft und zur wissenschaftlichen Arbeit befähigt. An der Universität Innsbruck (IMGI) studieren Interessenten Geo- und Atmosphärenwissenschaften. Weiterbildungskurse bietet die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik in regelmäßigen Abständen an.

Neben den graduierten Meteorologen werden so genannte "Wetterberater im Dienst" für den militärischen und flugmeteorologischen Wetterdienst ausgebildet. Sie haben an keiner Universität studiert. Genau die Ausbildung führt das ZAMG verstärkt durch. "Diese Bildungsschiene bedient sich der klassischen Ausbildung am Arbeitsplatz und nimmt im verstärkten Ausmaß E-Learning-Methoden in Anspruch, die zu jeder Zeit wiederholt und präzisiert werden können", sagt Dr. Herbert Gmoser von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik in Wien.

Arbeitgeber: Wiener Zentralanstalt 

Die bereits 1851 gegründete Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) in Wien formuliert täglich Wetterprognosen, führt den Erdbeben- und geomagnetischen Dienst durch, erfasst Wetter und Klima und sucht nach Schadstoffen in der Atmosphäre. Hier tätige Klimatologen erstellen akribisch das Klima betreffende Karten und Statistiken. Ihre Arbeit gelingt mit modernen, teilautomatischen Wettererfassungssystemen (TAWES) und Klimastationen (TAKLIS).

Die Wiener Zentralanstalt beschäftigt für die Wettervorhersage und Entwicklung der Wettermodelle 50 Mitarbeiter und betreibt ein Netz von 250 teilautomatisierten Wetterstationen und 130 Stationen, die den Einfluss der Witterung und des Klimas auf Pflanzen und Tiere in der jeweiligen Jahreszeit untersuchen (Phänologie). Der Allgemeine Wetterdienst (ZAMG), der Flugwetterdienst (ACG - Austro Control) und der militärische Wetterdienst - auch geophysikalischer Dienst genannt - sind die Wetterdienste im Land. Rund 180 Mitgliedsstaaten gehören der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) an, die über ein dichtes, weltweites Beobachtungsnetz verfügt. Österreich gehört dazu.

Krisenfeste Stellen

Nach erfolgreichem Studium erwarten den Meteorologen vielfältige Einsatzmöglichkeiten. Vorteilhaft ist, Praktika beim künftigen Arbeitgeber zu absolvieren. So lernen sie ihren vermeintlich künftigen Arbeitsplatz und der vermeintliche Arbeitgeber Sie kennen. Alle Stellen sind im Wesentlichen krisenfest. "Jedes Jahr bewerben sich ein oder zwei Meteorologen für die Wettervorhersage", beschreibt Herbert Gmoser die Situation. Und: "Wenn eine Stelle frei wird - zum Beispiel wegen einer Pensionierung - kann diese neu besetzt werden", ergänzt Gmoser. Er betont: "Nur wenn zusätzliche Arbeitsfelder entstehen, stocken wir die Zahl der Vorhersagemeteorologen auf."

Die Karrieremöglichkeiten umreißt Jäger treffsicher wie folgt: "Die Hierarchie ist sehr flach. Der Wettervorhersager kann Abteilungsleiter, Bereichsleiter und dann schon Direktor werden. Möglich ist auch, in die Kundenbetreuung und das Marketing zu wechseln. Was Meteorologen verdienen, richtet sich danach, wo sie eingestellt werden und nach dem jeweiligen Bundesschema. Während Vertragsbedienstete des Bundes nach ZAMG-Schema ein Anfangsgehalt von etwa 1.500 Euro netto erhalten, verdienen Meteorologen nach militärischen Bundesschema ein Gehalt in Höhe von 1.800 Euro netto. Das künftige, anfängliche Verdienst der Flugwetterdienstler orientiert sich am Gehaltsschema der Fluglotsen und beträgt am Karrierestart etwa 2.400 Euro netto.

(Bernd Fiehöfer/ Bild: PhotoDisc)

 

Weiterführende Links:

http://www.boku.ac.at/oegm/oegmlinks.html

http://www.zamg.ac.at/

http://www.univie.ac.at/IMG-Wien/

http://imgi.uibk.ac.at/main/de/index.html


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