Tschechien: Mehr Gehalt
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Steigende Gehälter in Tschechien. Dort werden seltene Fachkräfte gut bezahlt. Doch noch immer verdienen Angestellte in Osteuropa weniger als im Westen. [05.12.2008]
In Osteuropa sind die Gehälter im Jahr 2007 im Vergleich zum Vorjahr durchschnittlich um 6,2 Prozentpunkte gestiegen. Die Gehaltssteigerung war doppelt so hoch wie die im Westen. Mit 6,9 Prozent war Polen das Land mit der höchsten Gehaltssteigerung. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie von Hewitt Associates, einem internationalen Beratungsunternehmen für das Personalwesen. Hewitt veröffentlichte die Ergebnisse in der Studie "European Salary Increase Survey 2007-2008". Die Daten-Basis waren Gehaltsangaben von knapp 1800 Unternehmen aus 14 Ländern.
Steigende Gehälter von Fachkräften in Tschechien
Die Gehälter von Fach- und Führungskräften steigen in Tschechien weiterhin kontinuierlich an. Das geht aus der neuen Vergütungsstudie der Deutsch-tschechischen Industrie- und Handelskammer (DTIHK) und der Wirtschaftsberatungsagentur Kienbaum Management Consultants hervor. Danach seien die Gehälter in diesen Einkommensgruppen von September 2007 bis September 2008 um 8,2 Prozent gestiegen. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres hatte der Zuwachs bei 7,7 Prozent gelegen.
Besonders stark, teilweise um elf Prozent, stiegen die Gehälter in der Elektrotechnikbranche und in der Lebensmittelindustrie. Die höchsten Gehälter werden in der Nahrungsmittelindustrie, der Medizin- und Regelungstechnik sowie in den Bereichen Optik und Elektrotechnik bezahlt. Bezogen auf die Regionen liegt Prag nach wie vor deutlich an der Spitze, gefolgt von Mittel- und Westböhmen.
Polen verdienen mehr als Ungarn und Tschechen
Die Personalberater von Kienbaum berichten, dass Polen bei den Gehältern in Osteuropa ganz vorne liegt. Laut der Vergütungsstudie 2007/2008 "Internationale Unternehmen in Polen: Mitarbeiter und leitende Angestellte", die in Kooperation mit der Deutsch-Polnischen Industrie- und Handelskammer durchgeführt wurde, verdienen polnische Angestellte deutlich mehr als ihre Kollegen in Ungarn und Tschechien.
Ein Geschäftsführer in Polen bezieht ein durchschnittliches Jahresgehalt von 133.800 Euro. Sein Kollege in Tschechien rund 89.900 Euro. Ähnliche Gehaltsunterschiede sind nach Informationen von Kienbaum auch auf anderen Hierarchiestufen zu finden. "Ausländische Unternehmen, die sich in Polen niederlassen, schätzen vor allem die gute Verfügbarkeit qualifizierter Mitarbeiter und die Kundennähe. Ein deutliches Zeichen, dass Polen weit mehr ist als ein Billiglohnland", sagt Maria Smid, Kienbaum-Beraterin und Projektleiterin der Studie.
Untere Gehaltsklassen mit stärkstem Wachstum
Laut der Kienbaum-Studie sind die Gehälter in Polen sogar noch höher gestiegen als die Personalexperten von Hewitt herausfanden. Kienbaum errechnete eine Steigerung um durchschnittlich 10,7 Prozent (2006 im Vergleich zu 2007). Gewinner waren die Arbeiter der unteren Gehaltsklassen mit einem Zuwachs von 12,6 Prozent, bei den Managern betrug die Steigerung 5,8 Prozent.
Erfolgsabhängige Gehaltskomponenten gewinnen auch in polnischen Unternehmen an Bedeutung. Bei 82 Prozent der Gehälter ist eine variable Vergütung üblich. Die Erfolgsbeteiligung umfasst etwa 38 Prozent des Gehaltes. "Während die variable Vergütung an Stellenwert gewinnt, erweist sich die Zusatzvergütung in Form einer betrieblichen Altersversorgung als nicht attraktiv. In Polen werden unmittelbare Vergütungsformen bevorzugt", sagt Maria Smid von Kienbaum. Gerade das Ballungszentrum Warschau locke mit einer guten Infrastruktur und einer hohen Konzentration an qualifiziertem Personal ausländische Unternehmen an. "Schon heute wird die Nachfrage nach Mitarbeitern für die Bereiche Forschung und Entwicklung knapp. Setzt sich das Wirtschaftswachstum fort, kann es ähnlich wie in Tschechien auch in Polen zu Engpässen beim Fachpersonal kommen", erklärt Smid.
Top-Gehälter in der polnischen IT-Branche
Je nach Branche unterscheiden sich die Gehälter in Polen zum Teil erheblich, teilt die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der deutschen Bundesagentur für Arbeit mit. Im Verhältnis gesehen verdienen Angestellte in der IT-Wirtschaft in Polen überdurchschnittlich gut. Hier lag der Bruttodurchschnittslohn im Jahr 2005 bei 1400 Euro. Im Vergleich dazu betrug im Jahr 2006 das durchschnittliche Bruttoeinkommen aller Angestellter rund 650 Euro. Seit dem 17. Januar 2007 steht der polnische Arbeitsmarkt allen EU-Bürgern uneingeschränkt offen. Eine Arbeitserlaubnis ist damit nicht mehr erforderlich.
Eine ähnliche Entwicklung ist in der Tschechischen Republik zu beobachten. Mit einem durchschnittlichen monatlichen Bruttolohn von umgerechnet 1650 Euro sind IT-Spezialisten die Top-Verdiener. Die zweithöchsten Gehälter zahlen Finanzdienstleister (1560 Euro), dann folgen Unternehmen aus dem Energiesektor (1090 Euro). Nach ZAV-Angaben verdiente ein Programmierer im Jahr 2006 zwischen 1480 und 2290 Euro monatlich, ein Ingenieur lag zwischen 880 und 1800 Euro monatlich und bei Facharbeitern betrug die Gehaltsspanne 640 bis 950 Euro. Die Löhne und Gehälter in Unternehmen mit ausländischer Beteiligung fallen rund zehn Prozent höher aus als die Durchschnittsgehälter in tschechischen Unternehmen.
Mehr ausländische Fachkräfte in Tschechien
Im Gegensatz zu anderen osteuropäischen Mitgliedstaaten ist es in Tschechien nach dem EU-Beitritt nicht zu einer Abwanderungswelle von Arbeitskräften gekommen. In Tschechien stieg sogar die Zahl der ausländischen Arbeitnehmer kontinuierlich an. Dazu die ZAV: "Auf dem tschechischen Arbeitsmarkt mangelt es seit Jahren und in allen Regionen an gut ausgebildeten Fachleuten in technischen Branchen. Es fehlen Maschinenbauingenieure und Konstrukteure. Hinzu kommt ein Bedarf an Bau- und Elektroingenieuren, Metallfacharbeitern, Schlossern, Maschinen-, Werkzeug- und Elektromechanikern. Durch den Mangel steigen Löhne und Gehälter."
Gut die Hälfte der Unternehmen in Tschechien bezeichnet die Verfügbarkeit qualifizierter Mitarbeiter als ungenügend. So das Ergebnis der Vergütungsstudie 2007/2008, "Unternehmen in Tschechien: Mitarbeiter und leitende Angestellte", die Kienbaum in Kooperation mit der Deutsch-Tschechischen Industrie- und Handelskammer erstellt hat.
Unternehmesgröße und Hierachiestufe entscheiden
Wie in anderen Ländern hängt in Tschechien die Höhe des Gehaltes von der Größe des Unternehmens und der Hierachiestufe des Angestellten ab. Im Jahr 2007 sind die Gehälter in der tschechischen Republik im Vergleich zum Vorjahr um durchschnittlich 7,7 Prozent gestiegen. Das durchschnittliche Bruttoeinkommen betrug im Jahr 2006 umgerechnet 712 Euro.
(Peter Ilg/ Bild: Photo Alto)







































